HABICHTSWALDKLINIK
Abteilung Onkologie

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Lebermetastasen  ©

Lebermetastasen können im Verlauf von unterschiedlichen Tumorerkrankungen auftreten. Es gibt kaum einen Tumor, der, wenn er Metastasen setzt, nicht auch in die Leber metastasieren kann. Für bestimmte Tumoren sind Lebermetastasen allerdings besonders typisch, hierzu gehören z. B. Darmkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Brustkrebs.

Lebermetastasen wachsen zunächst durch Zurseitedrängen der gesunden Zellen, sodass die Funktion der Leber oft lange erhalten bleibt. Drücken Lebermetastasen auf die Gallengänge und kommt es zu einer Gallenabflussstauung, oder werden durch zunehmende Ausbreitung von Lebermetastasen die Leberfunktionen eingeschränkt, so kann es zur Entwicklung einer Gelbsucht und zu Stoffwechselstörungen kommen.

Therapiemöglichkeiten der Lebermetastasen 

Lebermetastasen können mit lokalen Therapieverfahren oder im Rahmen einer sog. systemischen Chemotherapie behandelt werden.

Lokale Therapieverfahren behandeln nur die entdeckten Lebermetastasen. Andere Stellen, an denen der Tumor evtl. auch wächst, werden dabei nicht berücksichtigt. Bei der sog. systemischen Chemotherapie erfolgt die Medikamentengabe über die Venen oder in Tablettenform und erreicht mit dem Blutstrom nicht nur die gesamte Leber, sondern auch andere Organe wie z. B. die Lunge.

Die Entscheidung für ein lokales oder systemisches Vorgehen hängt deshalb von der Gesamtsituation der Tumorerkrankung ab.

Die Entscheidung für ein lokales Vorgehen muss sorgfältig abgewogen werden. Das Auftreten von Lebermetastasen  kann nämlich ein Zeichen dafür sein, dass Tumorzellen schon in den Körper gestreut haben, auch wenn in anderen Organen noch keine Metastasen darstellbar sind. Wird dann nur lokal behandelt, so kann es kurze Zeit darauf bereits zu neuen Metastasen an anderen Orten kommen. 

Zu den lokalen Therapieverfahren gehören Operation, die lokale Therapie mit Alkoholinjektion oder ablative Verfahren mit Radiofrequenz oder Laser. Eine weitere Möglichkeit der lokalen Therapie ist die direkte Gabe von Chemotherapien in den Blutkreislauf der Leber, die sog. intraarterielle Chemotherapie oder Chemoembolisation.  

Eine Bestrahlung von Lebermetastasen ist in der Regel aufgrund der hohen Sensibilität des gesunden Lebergewebes nicht sinnvoll, da sehr schnell erhebliche Nebenwirkungen auftreten. .

Kommt es jedoch durch den Druck der Lebermetastasen auf die Leberkapsel zu Schmerzen, die mit Schmerzmitteln nicht ausreichend einstellbar sind, so kann eine geringe Strahlendosis verwendet werden, um die Kapselspannung zu verringern. 

Ein besonderes lokales Therapieverfahren stellen Stents dar – kleine „Röhrchen“, die mit endoskopischen Verfahren in verschlossene Gallengänge gelegt werden können, um erst einmal den Gallenabfluss zu sichern.  

1. intraarterielle Chemotherapie und Chemoembolisation

Voraussetzung für eine intraarterielle Chemotherapie ist, dass ein Katheter über ein Blutgefäß bis zur Leber und in das die Metastase versorgende Blutgefäß geschoben werden kann.

Als Chemotherapiemittel werden 5-FU oder Mitoxantron oder Mitomycin C, früher auch Cyclophosphamid eingesetzt.

In letzter Zeit wurde auch Gemcitabin verwendet.

Die Effektivität der Therapie kann durch gleichzeitige Embolisierung, also Verschluss des Gefäßes, gesteigert werden. Hierzu werden z. B. unterschiedliche kleine Partikel, sog. Mikrosphären, verwendet. Sie verstopfen das Blutgefäß für eine unterschiedlich lange Zeit und verringern damit die Blutzufuhr der Metastase. In der Form der Chemoembolisation werden entweder zunächst die Embolisierung und dann die Chemotherapie durchgeführt, oder es werden Chemotherapiemittel, die in kleinen Kapseln enthalten sind, direkt in die Arterie gespritzt. Dadurch gelangt das Chemotherapiemittel in besonders hoher Konzentration in die Metastase und wird nicht so schnell wieder mit dem Blutstrom weggespült.  

2. Ablative Verfahren

Zu den sog. ablativen Verfahren gehören die lokale Anwendung von Wärme, Kälte, Laser oder Radiofrequenz durch einen Katheter, der von außen in die Metastase gestochen wird. Eine weitere Möglichkeit besteht in der direkten Injektion von hochprozentigem Alkohol (Ethanol). 

Bei der heute meist durchgeführten Radiofrequenzablation oder LITT können Metastasen bis zu einem Durchmesser von 4-5 cm behandelt werden. Bei der Gabe von Alkohol sollten die Metastasen etwas kleiner sein. Auch die Gesamtzahl der Metastasen sollte nicht über 5 liegen. Im Einzelfall kann die Behandlung wiederholt werden.

Die Rate an lokalen Rezidiven, also einem Wiederauftreten von Metastasen im behandelten Lebergebiet, wird sehr unterschiedlich mit 0-50 % angegeben.

Lokale Rezidive können auftreten, wenn im Randgebiet, also der Grenze zum gesunden Gewebe, Tumorzellen überleben und später wieder wachsen. Eine Kontrollmöglichkeit während oder unmittelbar nach Durchführung der Therapie gibt es nicht. Außerdem können an anderen Stellen in der Leber bereits sog. Mikrometastasen, die nicht darstellbar sind, vorhanden sein, die später heranwachsen und zu einem Rezidiv führen.  

Die durch die Haut durchgeführte Injektion von Alkohol ist kurzfristig schmerzhaft und muss mit einer guten Schmerztherapie begleitet werden. Dann stellt auch sie ein effektives Verfahren dar, das außerdem kostengünstig ist. 

3. Operation

Vor Anwendung einer lokalen ablativen Therapie oder Chemotherapie sollte überprüft werden, ob eine Operation möglich ist. Hier gelten ähnliche Regeln bezüglich Anzahl und Größe der Metastasen wie für die ablativen Verfahren.

Sind die Metastasen grenzwertig groß, so kann auch vorab eine Chemotherapie gegeben werden. Dieses Verfahren wurde insbesondere bei Darmkrebs erprobt. Die meist eingesetzte Chemotherapie besteht aus 5-FU, Folinsäure und Irinotecan. Hiermit ist es möglich, dass auch Patienten mit Metastasen noch komplett geheilt werden.

In guten operierenden Kliniken ist das Risiko des Eingriffs relativ gering und es überleben viele Patienten mehr als 5 Jahre, können also als endgültig geheilt gelten.

Derzeit wird untersucht, ob es sinnvoll ist, nach einem chirurgischen Eingriff eine unterstützende Chemotherapie durchzuführen, um evtl. doch vorhandene Mikrometastasen zu beseitigen.

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 © Dr. Jutta Hübner, Onkologie

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Aktualisiert: Juni 2010

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